Paradies auf Erden – Galapagos

Moin Robbe
Moin Robbe

Inhalt

Die Galapagos-Inseln. Man hat davon schon mal gehört. Auch, dass es etwas besonderes sein muss wegen der Landschaft, der Lage mitten im Ozean und vor allem der Tiere. Aber es ist anders als viele andere Traumziele wie, sagen wir, Bali oder Hawaii, irgendwie wenig auf dem Radar gewesen. Halt ein wirklich exotisches Ziel, darüber hinaus auch nicht so einfach zu erreichen. Es wäre einem also nie in den Sinn gekommen in Deutschland als solitäres Reiseziel zu formulieren “wir fliegen jetzt nach Galapagos”.

Eigentlich war nicht einmal Ecuador fest eingeplant. Aber bei dem Flugchaos von Sabrina kam irgendwann in dem Prozess auch noch eine spontane Flugbuchung dazu, damit sie bei der Einreise in Kolumbien ein Ausreise-Ticket vorweisen konnte. Am Ende total unnötig. Aber da war dann jetzt dieser Flug nach Quito, den wir ja auch angetreten hatten. Und wenn man schon in Ecuador ist, dann blinkt Galapagos wie ein roter Punkt auf dem Reiseradar auf. Viele Leute kommen ja überhaupt erst hier her, um auf die Inseln zu fliegen und dort die einmalige Tierwelt zu erleben.

Wo geht's denn hier nach Galapagos?
Wo geht’s denn hier nach Galapagos?

Was und wo ist das nochmal?

Wenn man der Meinung ist, dass Südamerikas Pazifikküste schon weit weg ist, dann setzt Galapagos mit nochmal knapp tausend Kilometern Richtung Westen noch einen drauf. Mitten im Ozean liegen ein gutes Dutzend Inseln, ohne irgendetwas drumherum. Geologisch betrachtet ist das Archipel ganz ähnlich entstanden wie etwa Hawaii, nämlich durch einen sogenannten Hotspot unter der Erdkruste. Da verläuft also nicht etwa eine Kontinentalplattengrenze, an denen sich ja gerne mal Vulkane und Inseln bilden, sondern da ist im Erdmantel eine Art Lötlampe mit ordentlich Druck nach oben aktiv, die immer wieder Lava durch die Erdkruste drückt und Inseln bildet. Da sich die Nazca-Platte langsam Richtung Kontinent schiebt (und dabei die Anden hochdrückt), entsteht im Westen sogar gerade eine neue Insel (die aktuell aber noch unter Wasser liegt). Klingt alles sehr aktiv, sehr neu, spielt sich aber natürlich auf einer eher großen, tektonischen Skala ab. Die ältesten Inseln sind also auch “schon” ein paar Millionen Jahre alt.

Richtigen Weltruhm erreichten die Galapagos-Inseln erstmals durch die Ankunft der H.M.S. Beagle im Jahr 1835, auf der ein junger Wissenschaftler namens Charles Darwin mit an Bord war. Seine Beobachtungen der heimischen Tierspezies und deren Unterschiede zu den Festland-Kollegen und zum Teil sogar deren Unterschiede zwischen den einzelnen Inseln, wie bspw. bei den berühmten Darwin-Finken1 waren maßgebliche Inspiration für die Entwicklung seiner Evolutionstheorie der Arten. Den Stolz über diesen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft spürt man auf Galapagos übrigens allenthalben: Überall ist irgendwas nach Darwin benannt oder es stehen Statuen von ihm herum.

Hat hier jemand Evolution gesagt? Kenn' ich net...
Hat hier jemand Evolution gesagt? Kenn‘ ich net…

Wie bereist man Galapagos?

Dass Galapagos nicht so ein gewöhnliches Reiseziel ist wie Bali, mag neben der Entfernung auch an einem zweiten Aspekt liegen: Eine Reise auf die Inseln ist schweineteuer. Für die Besucher eher zum Zähne knirschen, für den Erhalt dieses Naturwunders allerdings sehr sinnvoll. Denn zunächst mal regelt der hohe Preis die Menge an Touristen, und darüber hinaus fließt viel Geld direkt in den Erhalt des Nationalparks und den Naturschutz. So hat man beispielsweise neben den nicht ganz günstigen Flügen von Quito oder Guayaquil schon 20$ für die Einreise und 100$ Nationalparkeintritt bezahlt, bevor man überhaupt aus dem Airport raus ist. Und auch sonst ist alles locker doppelt bis dreimal so teuer.

Dazu kommt, dass es ziemlich schwierig ist, das Archipel auf eigene Faust ausführlich zu bereisen und die vielen verschiedenen Tierarten zu Gesicht zu bekommen, da diese sich über die Inseln in einem Radius von über 150 km großräumig verteilen. Auch ist mit den teuren Tagestouren überhaupt gar nicht jede Insel zu erreichen. Das probate Mittel der Wahl sind daher für die meisten Besucher mehrtägige Kreuzfahrten auf wechselnden Routen mit Tagesstopps zum Schnorcheln und Wandern. Kreuzfahrt klingt jetzt erstmal sehr spießig und unerwartet. Eigentlich hatte ich immer gesagt, der einzige Ort der Welt, an dem für mich eine Kreuzfahrt in Frage käme, wären die vielen kleinen Inseln der Karibik (was irgendwann auch nochmal fällig ist). Allerdings war unsere Tour durch Galapagos jeden Cent wert.

Man kann typischerweise zwischen vier- bis achttägigen Touren von Backpacker- bis Luxus-Schiffsklasse wählen. Und schon bei der kürzesten Tour auf einer Holzklasse-Gondel kratzt man schnell an einem vierstelligen Dollarbetrag. Wenn man spontan in der Gegend ist und zeitlich ein bisschen flexibel, kann man allerdings einen guten Last-Minute-Deal erwischen, bei dem die Luxusklasse dramatisch reduziert ist. Rabatte auf die Backpacker-Schiffe fallen da vergleichsweise gering aus. Auch wenn am Ende der Trip nach Galapagos so viel Geld verschlang wie die gesamten sechs Wochen zuvor, war unser Credo für dieses einmalige Erlebnis: Wenn, dann richtig.

Mit Sonne noch schöner: Galapagos und die Santa Cruz II
Mit Sonne noch schöner: Galapagos und die Santa Cruz II

Eine Kreuzfahrt die ist lustig…

So flogen wir am 16.09. frühmorgens von Guayaquil nach Baltra, um uns dort unter einigen ungläubigen Augen in die Busschlange für das Kreuzfahrtschiff Santa Cruz II2 anzustellen. Man wollte unsere Backpacks erst gar nicht abnehmen und empfahl uns, den Regionalbus zu nehmen, um nach Santa Cruz (die gleichnamige Insel) zu gelangen. Vom Pier wurden wir nach kurzer Busfahrt mit dem Schlauchboot abgeholt und auf unser Schiff gebracht. Und ich nehme nicht zu viel vorweg wenn ich sage, dass wir nach den fünf Tagen und vier Nächten gar nicht mehr da runter wollten.

Die Santa Cruz II war grandios. Ob nun die Kabine mit Meerblick, das Buffet drei Mal am Tag, Bibliothek und Bar oder die zwei Jacuzzis auf dem Achterdeck, die nach dem Schnorcheln im kalten Wasser zum verweilen einluden – alles wirklich top. Was im Übrigen auch für den Service an Bord und unsere außerordentlich kundige und super deutsch sprechende Naturführerin Veronica galt. So wunderbar luxuriös das Schiff auch war, außerhalb der Essenszeit gab es eher wenig Möglichkeiten, die Annehmlichkeiten entspannt zu genießen – und das war auch gut so. Denn das Programm war straff geplant und mit Ausflugsmöglichkeiten vollgepackt, um möglichst viel von der Natur sehen zu können. Da muteten die Ansagen von Veronica teilweise fast schon militärisch an. Aber mal ehrlich, anders wären wir sicherlich nicht teilweise morgens um fünf aufgestanden, um noch vor dem Frühstück die erste Wanderung zu unternehmen. Außerdem war es auch wirklich nett in unserer kleinen deutschsprachigen Gruppe, die außer uns ausschließlich aus einer Studiosus-Gruppe bestand, die uns ganz lieb integrierte.

So segelten wir also fünf Tage und vier Nächte über eine Nordroute von Santa Cruz einmal um Santiago herum, mit Schnorchel- und Wanderausflügen auf den kleineren Inseln Rabida und Bartolome, um schließlich zur Vogelinsel Genovesa zu schippern und die Tour auf einer Schildkrötenfarm auf Santa Cruz zu beenden. Und es war durch und durch ein unvergessliches Erlebnis. Da Menschen und Tiere auf Galapagos friedlich und respektvoll nebeneinander leben und die Tiere wo es geht ganz in Ruhe gelassen werden, sind diese den Menschen gegenüber ohne jede Angst. Das sagt sich sehr leicht, aber das zu erleben ist unfassbar besonders. 

Wer ist hier der Tölpel?
Wer ist hier der Tölpel?
Guck' mal, was ich kann!
Guck‘ mal, was ich kann!

Beim Schnorcheln schwammen uns die Seelöwen mehrfach neugierig zentimeternah vor’s Gesicht, wollten spielen oder mit ihren Schwimmkünsten angeben. Die Blaufuß-, Rotfuß- und Nazca-Tölpel auf Genovesa ließen sich bei Brutpflege, Balz und Tagesablauf überhaupt nicht stören, auch wenn wir nur einen Meter vor ihnen neugierig mit den Kameras klickten. Auf diesen Inseln, in dieser Natur, waren eindeutig wir zu Gast und wurden von Gastgebern manchmal mit Neugier begrüßt, meistens jedoch einfach ignoriert.

Diese Konstellation ermöglicht eine unglaublich nahe Beobachtung und intensive Erfahrung mit der Fauna im Wasser und zu Land. Unter Wasser gab es von allerhand bunten Fischen über Rochen bis zu Riffhaien alles hautnah zu erschnorcheln. An Land lagen überall die bis zu einem Meter langen Meerechsen in der Sonne herum, es krabbelten strahlend rote Krebse und von Tölpeln über Bussarde bis hin zu Flamingos und einer Galapagos-Eule war alles dabei. Auf Bartolome konnten wir sogar eine kleine Kolonie Pinguine beobachten (stellt euch bitte mal kurz einen 40 Zentimeter kleinen Pinguin vor, der seinen Kopf in den Nacken legt und auf einmal losröhrt wie ein brünftiger Elch – ja genau, das hat uns auch überrascht!).

Auch bei kaltem Wasser top.
Auch bei kaltem Wasser top
Die dicke Nordseerobbe ist ein ganz seltener Anblick auf den Inseln
Die dicke Nordseerobbe ist ein ganz seltener Anblick auf den Inseln

Auf eigene Faust

Nach den Riesenschildkröten am Morgen des fünften Tages hieß es Abschied nehmen von den Schiffsgenossen, die allesamt direkt zum Flughafen gebracht wurden. Wir hatten uns entschieden, an die Kreuzfahrt noch vier Tage auf eigene Faust dran zu hängen. Zunächst verbrachten wir zwei eher unspektakulären Tage in Puerto Ayora (ja, die Darwin-Forschungsstation ist schon ganz nett, vor allem wegen der Baby-Schildkröten, aber wir waren die Tage zuvor ja schon mit Spektakulärem verwöhnt worden). Und für entspanntes Schnorcheln und am Strand liegen war es leider zu kalt. Denn auch wenn der Äquator durch die Inselgruppe schneidet, wurden wir nicht mit tropischen Temperaturen verwöhnt. Die Inseln liegen nämlich im Einflussbereich dreier Meeresströmungen: Dem warmen Panama-Strom aus dem Norden, dem kalten Humboldt-Strom aus dem Süden und der äquatorialen Cromwell-Tiefenströmung. Diese einzigartige Lage und besonders die beiden kalten, sauerstoff- und planktonreichen Strömungen sind für den unglaublichen Lebensreichtum der Inseln verantwortlich. Aber leider auch dafür, dass es in der zweiten Jahreshälfte eher diesig ist und Wasser und Luft kaum über 20 Grad hinauskommen.

Ne, ich will nicht mit auf's Foto
Ne, ich will nicht mit auf’s Foto

Am dritten Tag nach Ende der Kreuzfahrt wechselten wir noch einmal die Insel. Ein Boot mit Platz für etwa 20 Personen brachte uns in drei abenteuerlichen Stunden auf die Insel San Cristóbal. Die See war an diesem Tag sehr rau, das Boot wurde hin und her geschleudert. Im überdachten Teil des Sportfischerboots zu sitzen hatte den Vorteil, dass wir nicht klatschnass wurden, allerdings roch es sehr bald sehr unangenehm. Auf der positiven Seite wurden wir extrem fix in eine Familie integriert, als wir der Achtjährigen neben uns die Kotztüte hielten, weil ihre Mutter gerade mit sich selbst beschäftigt war…

Die Überfahrt lohnte sich aber trotz aller Unwägbarkeiten. San Cristóbal hatte einen ganz anderen, sehr entspannten Vibe, war viel gepflegter und fröhlicher als Puerto Ayora und: es lagen überall (!) Robben rum. An den Stränden sowieso, aber auch an der Hafenpromenade und überall war das vertraute Brüllen, Quieken und Rülpsen der Tiere zu hören. Die sind so knuffig! Deshalb verbrachten wir den ersten Nachmittag auch lediglich an der Playa Mann, um inmitten der Seelöwen ihrem bunten Treiben zuzuschauen. Präzise gesprochen handelt es sich um Galapagos-Seelöwen3, engen Verwandten der kalifornischen Seelöwen, die aber zur Familie der Ohrenrobben gehören – und irgendwie hatte ich unter Seelöwe was weniger Süßes im Gedächtnis, weshalb wie die kleinen Bojen allgemein eher als Robben bezeichneten.

Strandtage
Strandtage
Soo knuffig
Soo knuffig

Am letzten ganzen Tag war noch einmal die Gelegenheit, an einer Tagestour teilzunehmen. Die 360-Tour heißt so, weil sie mit dem Boot einmal um die Insel San Cristóbal führt, um an den wichtigsten Spots zum Schnorcheln zu stoppen. Wir waren ja schon glücklich als wir an unserer ersten Station, der Playa Rosario Blanco, erstmals mit Meeresschildkröten schwimmen konnten, aber das absolute Highlight kam erst zum Schluss. Am Leon Dormido (schlafender Löwe), auch Kickers Rock genannt, einem riesengroßen, frei im Meer stehenden Felsen vor der Insel ging es ein letztes Mal ins kalte, tiefe Wasser. Die Riffhaie, die wir bis dato gesehen hatten, waren offensichtlich von der ungefährlichen Art gewesen, aber wenn auf einmal unter einem mehrere dutzend drei bis vier Meter lange Galapagos-Haie rumschwimmen, dann kann einem schon mulmig werden. Zumindest schemenhaft habe ich am Ende sogar noch zwei Hammerhaie gesehen, die leider zu schnell wieder in der dunklen Tiefe verschwunden waren, um sie noch auf die Speicherkarte bannen zu können.

Die Seeschildkröten am Ende auch noch zu Gesicht bekommen
Die Seeschildkröten am Ende auch noch zu Gesicht bekommen
Wie schmeckt eigentlich Tourist?
Wie schmeckt eigentlich Tourist?

Fazit

Am Mittag des folgenden Tages ging es unter starkem inneren Widerstand vom kleinen Airport der Insel wieder zurück auf’s Festland. Was waren das für unglaubliche Tage. Die Galapagos-Inseln sind so etwas Wundervolles, wir wollten gar nicht mehr weg. Diese Art von Nähe und Direktheit mit der Natur und den Tieren schenkt einerseits viel Verbundenheit und Frieden, und lässt einen andererseits noch verzweifelter werden beim Blick auf das, was unsere degenerierte Spezies mit den restlichen 99,9% des Planeten so anstellt. Natürlich ist auch der Tourismus dorthin selbst ein Eingriff in das fragile Ökosystem. Aber ich bin davon überzeugt, dass jeder Besucher mit einem anderen Blick auf unsere Natur von dort wieder zurück kehrt, und das ist in der aktuellen Situation sicherlich sehr notwendig. Ich würde jedem, der die Möglichkeit dazu hat, empfehlen, diesen einmaligen Flecken Erde zu besuchen. Mit Respekt und Demut vor der unglaublichen Vielfalt der Schöpfung, oder besser gesagt, vor Darwins Evolution.

Man will einfach nicht mehr weg aus diesem Paradies
Man will einfach nicht mehr weg aus diesem Paradies

PS: Die vielen vielen Gigabyte Fotos und Videos werde ich beizeiten noch einmal in vernünftig zusammengefasste Portionen zusammenschneiden und separat posten.

Notizen

  1. https://en.wikipedia.org/wiki/Darwin%27s_finches
  2. https://www.metropolitan-touring.com/galapagos/santa-cruz-ii-cruise
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Gal%C3%A1pagos-Seel%C3%B6we

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1 Antwort

  1. 14. Oktober 2019

    […] Feuerwerk an Eindrücken und Erlebnissen auf den Galapagos-Inseln wollte erst einmal verarbeitet werden. Insofern war es vielleicht gar nicht so schlimm, dass die […]

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