Karibische Liebe – Auf den zweiten Blick

Cartagena. Ungefähr die einzige Stadt, die ich in Kolumbien definitiv besuchen wollte. Die fest auf meiner Liste war. Nach dem kühlen Bogotá war es auch das erste Ziel, dass ich ansteuern wollte. Der Wärme wegen. Und wegen der karibischen Strände. Einfach um ein bisschen Urlaub zu machen. Damit konnte ich Sabrina auch leicht überzeugen.

Die Erwartungen an die Stadt waren maßgeblich geprägt durch die The Grand Tour-Sonderfolge aus Kolumbien. Wenngleich die ganz Show einen traurigen, langweiligen Abgesang auf die glorreichen früheren Zeiten von Top Gear darstellt, hatten sich die Bilder dieses Specials, und besonders die Eindrücke aus Cartagena, eingebrannt. Ich erwartete eine wunderbar erhaltene Kolonialstadt mit weißem Mauerwerk und feudalen Balkonen, auf Plätzen, die den Glanz von Jahrhunderten widerspiegelten. Piratenstadt, spanische Festung, stolze erste unabhängige Stadt Kolumbiens.

Stadtmauern von Cartagena
Stadtmauern von Cartagena

Ja, es gibt diese Balkone, es gibt Pferdekutschen für Touristen, es gibt die Festungsmauern und hier und da strahlt das alles einen wunderbaren aus der Zeit gefallenen Reiz aus. Aber auf den ersten Blick ist die Stadt wie so viele mittlerweile überrannte Backpacker-Juwelen: Voll, laut, kommerzialisiert, an vielen Orten ziemlich dreckig. Den Charme hat diese Stadt trotzdem nicht verloren, man muss sich nur auf ihn einlassen.

Welches Cartagena?

Nun kommt dazu, dass streng genommen eigentlich nur die von den historischen Stadtmauern umschlossene Altstadt und die Strand- und Hotelhalbinsel Bocagrande zu dem Cartagena gehören, welches die Touristen wahrnehmen. Die anderen 80% der Stadt (die heute immer noch Kolumbiens wichtigsten Hafen beheimatet) bleiben den Touristen verborgen. Dort sollte man auch erst gar nicht hingehen. Es ist nicht sicher und (nach dem zu urteilen, was wir davon gesehen haben) auch nicht das, wonach die Touristen suchen.

Die Altstadt von Cartagena ist bunt und wuselig
Die Altstadt von Cartagena ist bunt und wuselig

Unsere ersten Tage verbrachten wir nämlich auch außerhalb der Altstadt, in einem netten Hostel in einer Urbanizatión (Gated Community). In der war es natürlich sicher, sauber und wohlhabend. Sobald man jedoch die Schranke passierte und sich auf den 20-minütigen Fußweg in die Altstadt machte, kam man an jeder Menge Armut und Elend vorbei und hätte in jedem Fall nicht mit Smartphone oder Kamera herumhantieren sollen. Aber auch darüber darf man sich in Ländern wie Kolumbien gerne mal klar werden.

Leider waren auch die Strände des ersten Wochenendes nicht der Robinson’sche Traum der Karibik: Bocagrande war extrem voll und alle 10 Sekunden musste man aufdringliche Verkäufer von allerhand nötigen und unnötigen Dingen abwimmeln. Marbella-Beach war mehr „local“, aber auch nicht unbedingt schön.

Strand in Bocagrande
Strand in Bocagrande

¿Hablas español?

Richtig angekommen waren wir erst eine Woche später. Den größten Anteil daran hatten der Umzug in das Altstadtviertel Getsemani, in ein liebliches kleines, etwas angestaubtes Hotel und der fünftägige Spanischkurs in der Toucan-Sprachschule. Mit viel Motivation und mindestens genauso viel Überforderung (in meinem Fall – weil in einer Woche sowohl Präteritum, Perfekt, Gerundium als auch Futur dran waren) büffelten wir vormittags in Kleingruppen Spanisch, um das gelernte am Nachmittag gleich bei verschiedenen Aktivitäten wieder einzusetzen.

Ob Radtour durch Bocagrande, Museumsbesuche oder ein Salsa-Kurs (ich wusste nicht, dass es eine Line-Dance-Variante des Tanzes gibt), am Ende waren wir „drin“ in der Stadt und hatten viele liebe Menschen kennengelernt. So ist es ja meistens, wenn man ein paar Tage mehr an einem Ort verbringt und sich darauf einlässt. Dann kann es eben auch liebe auf den zweiten Blick sein.

Coco Loco auf Mucura

Am Freitagnachmittag war es dann soweit: Endlich Ferien! Als Belohnung und nach dem ganzen Schulstress hatten wir uns eine Tagestour zu Isla de Mucura ausgesucht. Frühst morgens hoch und knappe zwei Stunden mit dem Boot raus, an den Islas del Rosario vorbei und noch weiter. Zunächst mal auf die Insel Titipan. Die zwei Stunden dort, vor allen anderen Touristen waren das Stranderlebnis, was dem karibischen Traum am nächsten kam.

Aufbruch früh morgens
Aufbruch früh morgens
Traumstrand vor allen anderen
Traumstrand vor allen anderen

Nach einem etwas befremdlichen Zwischenhalt auf der kleinen Santa Cruz de Islote (dem Inselchen, auf dem dicht gedrängt die Inselbewohner ihr kleines Städtchen haben), ging es nach Mucura. Bei Google gibt es Traumstrände zu sehen, für uns war es leider eher ein kleiner, sehr voller Strandabschnitt mit vielen Menschen. Aber immerhin einigen Bars, sodass uns die Zeit bei Margaritas und Coco Locos in gute Gesellschaft der netten Petra aus Den Haag nicht fad wurde.

Good times at the beach
Good times at the beach

Den Sonntag nutzten wir zur Weiterreise mit dem Bus nach Santa Marta. Es wirkt hier alles etwas kleiner und entspannter als in Cartagena und die vielen guten Restaurants laden zum Schlemmen ein. Kraft holen war die letzten zwei Tage auch bitter nötig, denn morgen verabschieden wir uns für eine viertägige Dschungelwanderung zur Ciudad Perdida, einer in den Siebzigern wiederentdeckten präkolumbianischen Ruinenstadt. Das ist dann sowas wie das Machu Picchu von Kolumbien. 50 km matschiger Dschungelpfad, viele hundert Höhenmeter und berichte von Lebensmittelvergiftungen in indigenen Dschungelcamps künden von großem Abenteuer…

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1 Antwort

  1. 1. September 2019

    […] Dort bekamen wir dann endlich die karibischen Traumstrände, nach denen wir uns seit Cartagena gesehnt hatten. Nach einer Stunde Busfahrt, dem Bezahlen des Parkeintritts, einer weiteren […]

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